Kalenderblätter April, Teil Zwei (von vier Teilen)

Eine friedfertige Kreatur
„Treasures from the Ancient World“ Metropolitan Museum of Art, New York, 1997 – und Leo Tolstoi, Krieg und Frieden (Übersetzung: Werner Bergengruen). List Verlag, München, 1975.

Das Nilpferd aus New York

Das Nilpferd ist ein berühmter Repräsentant des Metropolitan Museums in New York. (Man kann es als Artifakt aufgedruckt, nachgeformt, oder zu Schmuck verarbeitet kaufen: zum Shop). Auf der deutschsprachigen Seite über Nilpferd William, wie das Nilpferd inzwischen genannt wird, stehen weitere Informationen. Beispielsweise wurde das vage Alter von 1900 – 1800 vor Christus, wie es im Kalender angegeben ist, dort auf ca. 1981–1885 v. Chr. präzesiert. Hier ist zum Vergleich der alte Kalendertext (eine freie Übersetzung, nach Sally Fisher, 1997):

Nilpferd, Ägypten en face Metropolitan Museum of Art, New York

Als Bauern, die von Wüste umgeben waren und die Jahr um Jahr auf die Überflutung ihrer Felder durch den anschwellenden Nil angewiesen waren, war den alten Ägyptern Schlamm und schlammiges Wasser eine Quelle der Schöpfung. Krokodile und Nilpferde, wenn sie auch zerstörerische Feinde sein konnten, brachten doch als Kreaturen aus dem Schlamm fruchtbare Erneuerung in ihrem Gefolge. Die Marschpflanzen, die an den Flanken dieses behäbigen Nilpferds wachsen, fügen es in seine Pflanzenwelt ein und heben seine Verbundenheit hervor mit dem Leben und mit der Erneuerung.

Der Terminkalender steht auf dem Stapel der drei Schuber voll mit den Bänden von Kindlers Literaturlexikon, inzwischen in Buchform leider vergriffen, das ich immer wieder mal konsultiere.

Ibn Tufail; Der Philosoph als Autodidakt

Zuletzt las ich im Kindler über Ibn Tufail aus Andalusien, der schon im 12. Jahrhundert die Robinsonade des Ḥayy ibn Yaqẓān geschrieben hat und damit einen Roman fast ein halbes Jahrtausend vor dem Cervantes den Don Quichotte verfasste. Der Übersetzer und Herausgeber der einzigen lieferbaren deutschen Ausgabe, Patrick O. Schaerer, hatte diese Arbeit im Wintersemester an der Freien Universität hier in Berlin vorgestellt. Der Held des Romans wächst abgeschieden auf einer Insel heran und arbeitet sich, Kraft seines Verstandes und seiner Wißbegier, durch alle Stufen der Erkenntnis und Wahrnehmung hindurch – und durschreitet dadurch alle aristotelischen Disziplinen der Philosophie und der Naturwissenschaften. Es kommt auch zu einer Begegnung mit einem anderen Menschenwesen, die einen weiteren Erzählstrang ins Geschehen bringt.

Einige Ausgaben von Ibn Tufail, von den Verlagen Shorok , Felix Meiner und Adineh

Inselexistenzen

Andere Vertreter dieses Genres, die mir auf Anhieb einfallen, sind eine Version des Defoe’schen Robinson Crusoe von Michel Tournier, Zwei Jahre Ferien von Jules Verne, Der Herr der Fliegen, von William Golding und Der Sturm, von William Shakespeare. Es gibt noch eine Episode in Kidnapped von Robert Louis Stevenson, bei der Davie auf einer einsamen Insel strandet und sich beinahe verloren wähnt …

Krieg und Frieden

Die vierbändige Ausgabe (Verlag Paul List, 1975) von Leo Tolstoi, Krieg und Frieden in der Übersetzung von Werner Bergengruen (1953) hatte Th* von Freund M* 1977 zu Weihnachten geschenkt bekommen, und ich habe sie vor vielen Jahren mit großer Anteilnahme gelesen, wobei mir die langen Ausführungen über das Bauernwesen oder über Strategien im Umgang mit Napoleons Heer oder über Wohl und Übel der Freimaurerei durchaus zusagten. Eigentlich wäre es an der Zeit, den Roman wiederzulesen, aber vielleicht lese ich auch in den Kommentaren auf dem Dovegreyreader-Blog vom Team Tolstoi

2 Kommentare zu „Kalenderblätter April, Teil Zwei (von vier Teilen)

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    1. Danke, Meinolf. Darum geht’s mir nicht, nur: Ideen verbreiten, Lust zum Lesen wecken.

      Inselexistenzen sind ja ein naheliegendes Thema. Zimmerexistenzen sind eine Variante dazu. Gestern regte die Berliner Zeitung an, von Xavier de Maistre „Reise um mein Zimmer“ zu lesen. Das steht irgendwo bei uns im Regal und wartet geduldig. Von Kierkegaard gibt es Berichte von langen Wegen als Kind an der Seite seines Vaters im Zimmer auf und ab, wobei sie mit der Fantasie durch die Wände in die Welt hinaus gingen, wenn ich mich recht entsinne. Bei „Babel“ von Kenah Cusanit wird der Großteil auch aus dem Zimmer von Robert Koldewey erzählt, in dem er wegen einer Blinddarmentzündung festsitzt.

      À propos Nilpferd: Ein Lied, das N* damals noch durchs Telefon vorgesungen hatte, ist von trauriger Aktualität. Nach einiger Recherche fand ich es im Netz, als verfasst von Manfred Kyber:

      Das verschnupfte Nilpferd

      Das Nilpferd aus dem Mohrenreich,
      das Nilpferd hat den Schnupfen,
      und trägt ein Kopftuch warm und weich,
      ein Taschentuch mit Tupfen.

      Es freut sich nicht im Sonnenschein,
      und sitzt betrübt im Grase.
      Der Jammer ist auch gar nicht klein:
      was muss das für ein Schnupfen sein bei einer solchen Nase!

      gefunden (über Google books) in: Carsten Timpe; „5 Miniaturen für die Stössel-Laute […]“(epubli). Vielleicht ist das Gedicht in „Das Manfred Kyber Buch“ vom Rowohlt Verlag enthalten, das lieferbar ist.

      William sieht aber gesund und zufrieden in die Welt, nun schon seit vielen hundert Jahren.

      Gefällt 1 Person

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