Öffentliche Gewalt in islamischen Gesellschaften

Mönch Oveco. Die vier apokalyptischen Reiter (Ausschnitt). Handschrift Pergament, ca. 970  Valladolid, Biblioteca de la Universidad, Ms 433 (ex ms 390) f°93r
Public Violence in Islamic Societies Power, Discipline, and the Construction of the Public Sphere, 7th-19th Centuries CE / Edited by Christian Lange, Maribel Fierro Edinburgh University Press, 2009 Titelillustration: keine Angaben

Unter der Umayyadenherrschaft im andalusischen Cordoba wurde zwischen 850 und 859 bei mehreren Christen wegen Prophetenbeleidigung die Todesstrafe vollstreckt. Im Rahmen meiner Recherchen habe ich dies Buch aus der Campusbibliothek der FU ausgeliehen. Die Einbandillustration (14. Jhdt.? Persisch?) zeigt eine öffentliche Austeilung der Prügelstrafe. Die Bibliotheksausgabe kommt ohne Schutzumschlag, weswegen die Quellenangabe fehlt.

Bei den Bilddateien im Internet war es mir nicht möglich, Szenen der Bestrafung oder zeitgenössischer Gerichtsszenen aus Cordoba zu finden. Oveco schuf die Miniatur für das Königreich León im Norden, gute hundert Jahre später nach diesen Geschehnissen. Nach heutigem Stand des Wissens gibt es keine arabischen und islamischen Quellen zu den vollstreckten Todesstrafen für Blasphemie unter der Herrschaft des Emir ‚Abd ar-Rahman II (regierte von 822852) und seines Sohns und Nachfolgers, Emir Muhammad I (regierte von 852–886). Weil der Bischof von Cordoba jener Zeit, Eulogius (810 – 859), über diese Vorfälle berichtet hat (in seiner Rechtfertigungsschrift apologeticus martyrum1), wissen wir überhaupt davon. Auch er fiel dem Todesurteil wegen Blasphemie und Prophetenbeleidigung zum Opfer.

Das fünfte Siegel (Apokalypse) – Die Seelen der Märtyrer, dargestellt als Tauben, versammelt vor dem Altar. Pergament Manuscript Nordspanien, um 950. Folio 109r Morgan Library , New York

Gelehrte – und schon die Glaubensbrüder der Zeit – streiten sich über die Frage, ob die Verurteilten und Getöteten zu den Märtyrern zählen sollen. Martyrium war im Zeitalter der Illuminationen ein sehr lebendiger Aspekt christlichen Lebens, wie die zahlreichen Handschriften zur Apokalypse und weitverbreitete Heiligenviten bezeugen. Das Thema im Kontext der Mozarabischen Revolte*  ist die rechtmäßige Ausübung von Gewalt durch den Herrscher und ihre Begründung, im Spannungsfeld von Glaubensausübung und sozialem Frieden.

*Als „Mozarabischen Revolte“ bezeichnet Évariste Lévi-Provençal (1894-1956) die Vorfälle  (al-Andalus, Encyclopaedia of Islam 2. Ausgabe).

Mozaraber (– vermutlich hergeleitet vom arabischen: „arabisiert“– ) nannte man Christen in al-Andalus, dem heutigen Spanien und Portugal unter arabischer Herrschaft

Während ich das Buch lese, werde ich hier Material sammeln und laut denken.

1Gil, J.:Memoriale sanctorum sive libri III de martyribus Cordubensibus. In: Corpus Scriptorum Muzarabicorum. Consejo superior de investigaciones científicas: Manuales y anejos de Emerita, 28, Vol. II. Madrid 1973, 363–459.

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