Auf Jakobswegen (18)

Zweiter Tag – Von Neufrankenroda bis Eisenach / Eine Bildergeschichte

Etappe 3 – Von Gotha nach Fulda Oktober 2021


Auf dem Weg nach Burla

Früh am Morgen grüßte schon die Sonne.


Herrliche Hörselberge!

Heute würde einer der schönsten Strecken meiner bisherigen Pilgerschaft werden; und paradoxerweise gibt es nicht so viele Fotos davon. Es waren einfach überwältigend viele Momente, wo meine Hand zum Mobilgerät griff. Den Weg über die Hörselberge soll einfach ein jeder einmal selbst zurücklegen! Oder man kann bei der Bildersuche im Internet das Stichwort „Hörselberge wandern“ eingeben und so auf den Geschmack kommen.

Im alten Andrees Atlas von 1893 sieht der Abschnitt schon vielversprechend aus.

Die Kirche von Burla

Nach einem Weg durch die Felder führte die Route durch Burla und Hastrungsfeld, bevor der Aufstieg in die Hörselberge begann.


Über die Hörselberge

Kaum lag Hastrungsfeld hinter mir, ging es steil bergan. Oben angekommen lockte diese Bank im Sonnenschein; sie gehört zum Berggasthaus, das noch geschlossen hatte. Ich traf ein nettes Ehepaar an, das auch dort verschnaufte, und wir hatten ein schönes Gespräch über die Freuden, in dieser Gegend zu Fuß unterwegs zu sein.

Aus der Sonne hinaus führte der Weg aber bald in die Bäume hinein. Nie war man so tief im Wald, dass man nicht durch die Bäume hindurch das südliche Tal erahnen konnte. So folgte ich glücklich auf lichtem Kammweg einer alten Grenzlinie.


Kammweg über den Großen Hörselberg


"Seit dem 16. Jahrhundert verlief über den Kamm des Bergrückens die Grenze zwischen den Herzogtümern Sachsen-Gotha und Sachsen-Eisenach, mehrfach trifft man auf Gruppen alter Grenzsteine am Wanderweg."
[aus der Wikipedia]

Grenzstein

des alten Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach (17. Jhdt.)

… einer von vielen, vielen mehr entlang des Weges.


Ein Liedchen dazu

"Als ich einmal reiste / in das Sachsen-Weimarland,
da war ich der Reichste, / das ist der Welt bekannt.
Rummel, dummel, raudidera, / rummel, dummel, raudidera,
da war ich der Reichste, / das ist der Welt bekannt."

Das kam mir unterwegs in den Sinn. Es stammt aus der Zeit, als Onkel Lohmann uns einsingen ließ, bevor wir dann Messen von Michael Haydn und Mozart probten für die Hochämter in der Basilika zu Kevelaer – vor vielen, vielen Jahren weit, weit im Westen.


Blick auf Wutha

vom kleinen Hörselberg


Eine Art von Mittagspause

Vom kleinen Hörselberg ging es steil hinab. Anscheinend hielt man hierzulande nicht allzuviel von Serpentinen. Unzählige Stufen überwanden den Höhenunterschied. Nachdem ich schon etliche hinabgestiegen war, kam mir ein munterer Spurter entgegen. Er beruhigte mich: „Na, ganz herauf lauf ich nicht, dazu hab‘ ich nicht genug Zeit. Es ist meine Mittagspause.“ Er schwärmte von seinem Landeseckchen und schlug mir allerhand mögliche Wege vor, wie ich nach Eisenach käme, und wo ich vielleicht vorher einkehren könne. Dann nahm er Abschied, um noch ein paar Meter hoch hinter sich zu bringen. Derweil stellte ich beim Abstieg staunend fest, wie viele Stufen schon hinter ihm lagen. Aber irgendwann, „am Gasthaus, sozusagen über dessen Terrasse“, wie es im Wanderführer richtig heißt, gelangte ich endlich in der Talsohle an, von wo ich brav „meinem“ Jakobsweg folgte. Das Gasthaus fand ich übrigens auch verschlossen, aber Eisenach war nun nicht mehr fern.


Der Bach Hörsel bei Rothenhof


Am Eichrodter Weg


Seit meinem Apfelfrühstück am Hainberg vor Burla lagen einige Zeit und Kilometer zurück. Dies Foto schickte ich nach Hause mit dem Kommentar: „bin gerade etwas schlapp und mach ein Päuschen am Ufer der Hörsel mit Fabrikschlot.“ Kaum in Eisenach angekommen zog es mich zur Herberge, der Pension Mahret. Um dorthin zu gelangen, ging es noch einmal quer durch die Stadt und beinahe im Westen wieder hinaus.


Jakobstraße Eisenach

mit einem Hauch von Orient ;-) .


In der Nachbarschaft der Pension sind diese versteckten Überreste der alten Stadtmauer:

Stadtmauer, Georgenstraße 52


Mahlzeit am Karlsplatz

Mit etwas Glück konnte ich endlich meinen Hunger stillen; denn obwohl die Küche erst eine Stunde später aufmachte, bot man mir im schnieken Vienna Haus einen köstlichen Flammkuchen an. Dazu bestellte ich ein großes Glas Apfelsaft und gleich ein Köstritzer Kellerbier dazu. Alles wurde mit einem Meinel Kaffee nebst Möppken und Schokolädchen gekrönt.

Auf dem Rückweg stellte ich fest, dass einst Goethe gar nicht allzuweit entfernt Herberge bezogen hatte; und auch Jakob taucht wieder auf:


Palais Bechtolsheim

Jakobsplan 9


… und in unmittelbarer Nachbarschaft aus unseligen Zeiten eine fragwürdige Version von St. Georg:


Panzerreiter am Jakobsplan


Nahe der Pension zurückgekehrt genoß ich, gut gesättigt, noch die Abendsonne am Roeseplatz, mit Blick auf die Annenkirche, bevor ich das Nachtquartier bezog.



Überblick über die ganze Route von Gotha bis Fulda, im Andrees Atlas:


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