Auf Jakobswegen (21)

Fünfter Tag – Von Vacha bis Geisa / Eine Bildergeschichte

Etappe 3 – Von Gotha nach Fulda Oktober 2021


An der Klosterkirche vorbei und über die Frankfurter Straße ging es früh zum Tor hinaus; und weil der Weg so gut ausgeschildert war, hatte ich schon eine gute Strecke zurückgelegt, als mir auffiel, dass ich die Wanderkarte 162 zum Geisaer Land im Zimmer auf der Bank hatte liegen lassen. Mit meiner Schusseligkeit sollte es am Tag darauf noch dicker kommen …


Aufbruch im Nebel


Holzbrücke über der Sünna


versperrt – ich kraxelte über den Splitberg, und dann ging es ungehindert weiter …

Wegausbau zwischen Vacha und Sünna


Dem Komfort zum Opfer

Roden, schürfen durch Baumwurzeln – später dann die Teerdecke oder der Asphalt. Das wirkt auf mich brutal, und ich ziehe Fußpfade vor. Irgendwo auf vergangenen Etappen gab es Strecken mit zwei gepflasterten Spuren, die Raum für Grün rechts, links und in der Mitte ließen, was mir ein guter Kompromiss für Radler scheint.


Nebeliger Fluchtpunkt


So habe ich die Wege gerne; und es taugt auch zum Radeln, denke ich.

Die Felder waren fast alle abgeerntet. Morgendliche Nebel und ein kalter Wind erinnerten an die fortgeschrittene Jahreszeit. Die Landschaft unterschied sich deutlich von den Höhen des Thüringer Walds der vergangenen beiden Tage, aber es war ein gutes Wandern.


Informationstafel am Wege


Neblige Felder, nebliger Wald


Nahe Bermbach

Der Nebel lichtet sich


Von Bermbach begann der Weg um den Arzberg herum. Man muß im Internet „Arzberg (Rhön)“ eingeben, sonst landet man in Oberfranken. Hier wäre es schön gewesen, die Karte zur Hand zu haben. Allerdings war es leicht, dem Radweg ostwärts zu folgen, und zum Glück traf ich einen mitteilsamen Radler, der mich warnte, nicht den Abzweig vor der Überführung, nach Süden, zu verpassen, wo sich unsere Wege trennten.


Arzberg, Höhe Otzbach


Ach, der legendäre Arzberg!

Seinetwegen gab es einen beträchtlichen östlichen Bogen. Schön kegelig erhebt er sich aus den umliegenden Feldern und seinem Unterholz; und er ist allerdings prominent. Der Weg führt traulich am Waldesrand entlang mit Blick auf Hügel, Felder, Dörfer: Wölferbütt, Mariengart, Otzbach. Auch die nächsten Erhebungen, an denen entlang sich der Weg durch die Ebene schlängelt, Bremer Berg, Riethberg, Worthberg, sind für einen einstigen Besteiger des Pitz Bernina Grund für ein Lächeln.


Gruß an die Heimat!
Mein Dörfchen der Heimat / ist fern in der Rhön,
am Grunde der Breme gelegen.
Dahinter winkt grüßend / aus waldigen Höhn
der Gipfel des Geisaer Waldes
gar freundlich und schön.
Dicht neben ihm reckt sich / aus steiniger Gruft
der prächtige Arzberg sein Haupt / in die Luft.
Und sagenumwoben schließt / jenseits der Runde
der stattliche Spielberg / als dritter im Bunde.

Verfasser: unbekannt. Quelle: Stadt Geisa (unten)


Das Vierzehn-Nothelfer-Wegkreuz am Rastplatz Inselsberg – Milseburg-Blick


Vierzehn Nothelfer
Kreuzigungsgruppe
St. Joseph
St.Jakobus

Bei der Recherche im Internet bin ich nicht weitergekommen, um herauszufinden, von welcher Zeit her das Kreuz rührt und wann es so verschandelt wurde. In verschiedenen Wegbeschreibungen wird es erwähnt, besonders auch, weil eine seiner Seiten den Heiligen Jakobus darstellen, und es gewiß der Ältere ist, also der Apostel Santiago mit der Muschel, der dem Pilgerweg seinen Namen gibt; aber es gibt meines Wissens keine kulturhistorischen Hinweise. Klar wird nur, dass ich mit dieser Gegend ein Gebiet betrat, in dem mehr und mehr der Katholizismus seine Spuren hinterlassen hat und seinen Geltungsraum postuliert.

Nur wenige hundert Meter weiter steht dieses Wegekreuz:


westlich von Bremen ( / Geisa)


Bis Geisa gab’s noch einmal Berg und Tal:


… weiter südwärts den Mittelberg hinauf …


… und wieder nach Norden, zwischen Mittelberg und Schleidsberg vorbei und hinunter, auf Geisa zu.

Blick auf Geisa

Spuren der Kelten

Informationstafel bei Geisa


Gewässer

an der Ulster
Ulster Brücke
Geisa

Ich kreuzte die Ulster im Osten, durchquerte den Ort Geisa und folgte dem romantischen Bächlein Geisa im Westen in Richtung Herberge.


In der Geisschänke


Kost – Bratwurst und Fritten
Feierabend – allein im Garten
Logis – gute Nacht!

Ganz allein war ich nicht in der Geisschänke, aber die unseligen Pandemiezeiten schlugen offenbar auch hier zu Buche. Als ich mich dem Haus näherte, kam gerade die Wirtin mit einem Teller saftiger Bratwurst und goldener Fritten heraus, um Gäste im Garten zu bedienen. Sie rief mir nahezu barsch zu: „Zimmer zwei, Schlüssel steckt!“ und deutete mit dem Kopf zur Außentreppe. Sie erinnerte mich zuerst an das giftige Irmchen meiner Borkener Buchhändlerzeit, aber stellte sich dann als ganz bodenständig heraus. Nachdem ich meinen Appetit gestillt hatte, gab sie mir hilfreiche Tips zur anstehenden Herbergssuche in Hünfeld und versicherte sich, aber nicht aufdringlich, dass ich mich gleich darum kümmere. Im Garten, als ich den Tag dort ausklingen ließ, räumte der Wirt gewissenhaft Tische und Bänke unters Dach; denn Regen wurde erwartet. Die Anordnung der drei separaten Zimmer, zugänglich von der Veranda, war wie bei Motels, meine Kammer selbst schlicht, aber angenehm ruhig. Wie ich den Tag so rekapitulierte, hatte ich mich nicht einmal verlaufen. Darauf konnte ich gut schlafen.

Bei Wikimedia gibt es eine schöne Ansicht, wie ich sie etwa von „An der Geisa“ hatte:

Geisa, von Westen her gesehen (Wikimedia, Dezember 2003)

Die gesamte Etappe von Gotha bis Fulda, wie sie im Andrees Atlas von 1893 abgedruckt ist.

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