Auf Jakobswegen (22)

Sechster Tag – Von Geisa bis Hünfeld / Eine Bildergeschichte

Etappe 3 – Von Gotha nach Fulda Oktober 2021


Die heutige Tagesstrecke, knappe 20 km geplant, würde mich über die ehemalige deutsch-deutsche Grenze von Thüringen ins Hessische führen. Die Wanderkarte war ich ja los (wie zuvor berichtet), und mit der Beschilderung würde ich noch meinen Spaß haben. Also war ein guter Start geboten.


Aufbruch mit Frühstück

morgens in Geisa


Zunächst ging es nördlich zur Stadt hinaus und immer zum Rasdorfer Berg hinauf.


Dieser sanfte grasige Hügel – denkt man sich den dunklen Wald fort – erinnerte mich stark an eine Reise auf Hawaiis Big Island mit seinem Puu – Hügel auf Hawaiisch.


Abschied von Geisa, aus halber Höhe …


… und noch einmal von hoch oben.


Bald schon war Point Alpha erreicht. Hier ließ ich das Wartburger Land und Thüringen hinter mir. Eine Weile ging es dem alten Grenzverlauf entlang mit seinen Betonbahnen für Panzer und Kontrolljeeps.


Was aus der Natur hervorschaut an menschlichen Bauten wirkt immer noch martialisch und bedrückend.

Bei dem nieseligen Wetter war kaum jemand unterwegs, aber beim Haus auf der Grenze scharte sich eine Gruppe um den Reiseführer und ließ sich über die Geschichte des Ortes unterrichten.

Mich zog es zu einem Rasenkarree, das von rätselhaften weißen Tafeln eingesäumt war, die sich als Namensschilder für die dazugehörigen verschiedenen Baumarten erwiesen.


Ulme (Baum des Jahres 1992)


Es waren die Bäume des jeweiligen Jahres, dort ringsum gepflanzt als ein Zeichen der Hoffnung auf Einheit und Frieden. Ich finde über dieses Baumfeld bei Point Alpha im Internet aber keinen Hinweis. Der erste Baum, 1989, war – wie kann es anders sein – die Eiche. Wie Bäume mit so unterschiedlichen Voraussetzungen an diesem Ort vereint gedeihen können ist mir ein Rätsel. Vermutlich müssen sie von Zeit zu Zeit ersetzt werden. Die Eiche sah jedenfalls jünger aus, nicht, als stünde sie schon seit 1989 dort. Ich wählte, pars pro toto, die Ulme. Der Name klingt so schön.


Blümchen am Wegesrand
Blick auf Rasdorf

Also war ich nun im osthessischen Landkreis Fulda unterwegs, auf dem Weg von Rasdorf nach Haselstein über die Höhen der Soisberger Rhön. Der Weg aus Rasdorf hinaus hatte mir wieder einen kleinen ungeplanten Abstecher über ein Stoppelfeld beschert, aber die Richtung insgesamt stimmte, und ich kam voran, meist auf dem rechten Jakobsweg, vorbei an einem in der Wegbeschreibung für den fränkischen Jakobsweg angekündigten Wassertretbecken, wovon ich angesichts des allgegenwärtigen Wassers keinen Gebrauch machte. Zwei Männer standen da im Nieselregen und hatten sich was zu erzählen. So grüßte ich diese an diesem Tag seltenen Exemplare der Menschengattung und strebte weiter meinem Ziele zu.



Auf der Suche nach dem Jakobsweg


Mitten im Klee


Wo geht’s lang?

Irren und Wirren – Zwischenbericht nach Hause

„bin vor Kurzem nach langen Rätseln auf eine Kuhwiese gelandet und an diesem Punkt wieder auf den Jakobsweg gelangt (ein niedriger Stacheldrahtzaun dazwischen).“



Das ominöse rote Dreieck, zu sehen in der Ausschnittvergrößerung, hatte mir die letzten Stunden immer wieder optische Stromstöße versetzt, weswegen ich vielleicht nicht mehr ganz zurechnungsfähig war; aber ich möchte einen Besenstiel essen, wenn nicht falsche Jakobsmuscheln mich vorher weit aus den Ort hinaus die Landstraße entlang in die falsche Richtung gelockt hatten, weswegen ich schließlich misstrauisch umkehrte und den Weg auf die Weide wählte.

Fortsetzung meines Berichtes:


„Inzwischen bin ich hier auf dem schmalen Pfad, …


… der beiderseits von Unterholz eingesäumt ist und gar kein leichtes Ausweichen zuläßt und habe schon 4 oder 5 äußerst klare Wegzeichen, Muscheln und mehr, angetroffen. Hrrrmpf! Kurzum, zwischendurch war ich „en bissken quoi [oder heisst es: kwoi?], wie man am Niederrhein sagt“


Wald beruhigt und beglückt


Auf dem Weinberg vor Hünfeld


Eine Höhe galt es noch zu überwinden, nördlich entlang von Suhl und Hirzberg, bevor der sanfte Abstieg hin zu den Weinbergen begann. Hier kam die Sonne heraus, und als auf der grasigen Höhe der Regencape trockengepustet war und eine Bank mit Weitblick auftauchte, legte ich Lese- und Fernbrille ab, um den Regencape zu verstauen und danach, von dieser flatterigen Schutzhaut befreit, unbeschwert die letzten Kilometer zum Tagesziel zurückzulegen.


Irgendein unidentifiziertes Gewässer


Hünfeld!


Dritter Bericht nach Hause, der zum Bild oben, „Auf dem Weinberg vor Hünfeld“, gehört:

„hier oben, 6 km vor Hünfeld, habe ich beide Brillen auf der Bank vergessen, als ich den Regencape fortpackte. Hab‘ es erst jetzt in der Herberge gemerkt und werde nicht zurückkehren“ – um nach ihnen zu suchen. Ich schrieb beide Sehhilfen unter den Begriff „Güterumverteilung“ ab. Es half ja nichts. Ich bezog ein ruhiges Zimmer im oberen Stock der formidablen Herberge von Sankt Bonifatius und bummelte dann durch das Städtchen, bis das griechische Restaurant öffnete und ich mir auf die Schrecken des Tages ein wohlmundendes Abendessen gönnte.


Frage nach Hause: Könnt Ihr den Mond zwischen den Dächern erkennen?


Antwort von Sohn J*** : „Oh indeed. I saw it earlier as well. And perhaps thanks to you generous donation some stranger got a clearer view of the moon as well for once.:-P“

[O allerdings. Ich hab ihn schon vorhin gesehen. Und vielleicht, Dank Deiner großzügigen Spende, hatte auch irgendein Fremder dieses eine Mal eine klarere Sicht vom Mond.]

Dazu postete er dieses von ihm bearbeitete Foto:


Bildvorlage aus dem Internet


Die gesamte Etappe von Gotha bis Fulda, wie sie im Andrees Atlas von 1893 abgedruckt ist.

Die Nacht war von drei gütigen Patronen gehütet, dem heiligen Ulrich, dem heiligen Bonifatius und dem seligen Papst Roncalli.


Stadtpatron Sankt Ulrich
Im Gästehaus des Sankt Bonifatius Klosters

PS: Das Bild von Papst Johannes XXIII hing im mir zugewiesenen Zimmer, das seinen Namen trägt – ich hatte Glück! Zwei Türen vorher, und es wäre Ratzinger gewesen …

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