Auf Jakobswegen (25)

Zweiter Tag – und die Nacht davor. Von Fulda bis Rückers

Etappe 4 – Von Fulda nach Bingen Ende Juli, Anfang August 2022 / Eine Bildergeschichte


Prost !


Diesmal regnete es nicht in Fulda, wie beim Abschluss meiner 3. Etappe, doch es war schon dunkel, als der Zug endlich in Fulda hielt. Ich erinnerte mich an das Lokal am Bahnhof, die Mea Mea Lounge, in dem ich damals zwei, drei ruhige Stunden verbracht hatte bevor es zurück nach Berlin gegangen war; aber diesmal erklang von dort fröhliche Latino-Musik, und es war ganz voll und Leute tanzten Samba. Deswegen suchte ich anderswo ein ruhigeres Lokal auf, und der kluge Wirt servierte mir ein passendes Bier: „Pilgerstoff“. Danach lief ich die Straße ab auf der Suche nach einem Nachtquartier, aber um Mitternacht waren alle Häuser zu. Also lief ich einfach los.


Das Jakobszeichen: Die Muschel vor der Stadtpfarrkirche von St. Blasius, nahe dem Stadtschloss.
Fluss in der Nacht: Die Fulda

Im Lichte der Laternen ging’s zum Abstor hinauf und die Tränke entlang und dann südlich durch einen gut beleuchteten Parkweg und auf einer Fußgängerbrücke über die Fulda zur Stadt hinaus. Ich hielt mich in der finsteren Nacht nicht auf dem Jakobsweg, sondern folgte der Landstraße durch die Orte. Und so brach der Morgen an.



Zur Frühstückszeit gelangte ich so nach Neuhof zum Bäcker. Das Akku vom Mobiltelefon war fast leer, weswegen ich an Fotos gespart hatte. Gerät und selbst wieder aufgetankt ging’s weiter, und in Rückers hatte ich mir schon eine Herberge gesichert.


Neuhof, mit Kali-Berg


Dieses Gebiet südlich von Fulda ist geprägt von schweren Verkehr. Ich habe den Eindruck, dass auch die Bevölkerung sich hauptsächlich motorisiert fortbewegt. Irgendwo in Neuhof unterhielt ich mich übers Mäuerchen hinweg mit einem jovialen alten Steinmetz, dieweil schwere Lastwagen um steile enge Gassen bogen und von Ferne der Verkehr von Landstraße und Autobahn herüberdröhnte. Wir mussten ab und zu kurz unterbrechen. Alles in allem schien ihn der Motorenlärm nicht zu stören.

Der Jakobsweg führte aber in einen grünen Bogen nördlich nach Flieden hinein, durch den Ort hinaus wieder auf die Felder.


Aufforstung an der Dieborn (?)

Und weiter geht’s nach Rückers.


Auf dem Kappernmühleweg. Hier geht’s ab zum Modellflugzeug-Feld

Das Landgasthaus Zum Grünen Baum heißt mit gutem Recht so; denn nachdem ich das Gepäck und die schweren Wanderschuhe im Zimmer deponiert hatte, saß ich dort unter einem prächtigen Exemplar – ein Nussbaum? – im Hof. Es gab einige zugereiste Gäste. Ich fragte drei einheimische Herren, ob ich mich dazu setzen könne und ward gelitten. Man unterhielt sich über Vor- und Nachteile von Drei- und Viertakter Motoren, über die vorgezogene Ernte, über die Feuersgefahren etcetera. Der älteste der Drei war ein pfiffiger schlauer Bauer, der mich etwas an meinen Schwiegervater erinnerte mit seinen gebeugten Schultern und den wachen, flinken Augen, hinter denen das Hirn emsig arbeitete. Allerdings gefiel mir sein Vorschlag, wie Hitler, Leute wie Putin mit einem Genickschuss zu beseitigen gar nicht, und ich ließ ihn von meiner absoluten Abneigung gegen Nazis und Todesstrafe wissen. Irgendwann brach man auf, setzte sich ins Auto und fuhr nach Hause.


Ich hatte mich prächtig erholt und gesättigt und schlief gut. Und damit hatte dieser lange Tag ein Ende.

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