Auf Jakobswegen (26)

Dritter Tag. Von Rückers bis Bad Soden / Salmünster

Etappe 4 – Von Fulda nach Bingen Ende Juli, Anfang August 2022 / Eine Bildergeschichte


Der Preis für ein gutes Frühstück: längst schon ist es hell am Ortsausgang. Im grünen Kreis prangt die Jakobsmuschel.

Jakobsweg über Steinkammer


Gleich hinterm Ort begann schon der Anstieg auf die Steinkammer – wie ich einer gewissen Enzyklopädie entnehme, eine wichtige Wasserscheide von Weser und Rhein. Hier betrat ich den Main-Kinzig-Kreis. Der Weg schwenkte durch die Felder westlich nach Keutzelbuch, um die südliche Route wieder aufzunehmen. Unterwegs entstanden irgendwo diese Bilder:


Roter Farbtupfer im Unterholz
Rätselhafte Hinweise

Auf den Höhen. Das wird wohl das Breite Feld sein.


Auf der Rast studierte ich noch einmal gründlich die Karte. Von Schlüchten aus folgt der Weg oft dem Lauf der Kinzig. Hier habe ich den Jakobsweg blau markiert:



Verborgenes Bächlein – es könnte die Kinzig sein.


Unterwegs nach Steinau


Der Weg zum Ort hinein führt in südlichem Schwenk über eine etwas langatmige Schloss-Straße, aber ich dachte mir schon, dass sich die Jakobsweg-Kartographen etwas dabei gedacht hatten. Ich sage nur: Grandios!


Bilder vom Schloß Steinau



Auf der Seite der Schlösser von Hessen ist ein gutes Foto vom Innenhof des Schlosses Steinau (von Michael Leukel), auf dem sehr schön die historische Pflasterung zu erkennen ist, die ich versuchte, im Bild festzuhalten.

Das Foto mit dem Foto der Contes Orienteaux aus dem Schaukasten, (auch vom fleißigen Michael Leukel, wie ich sehe,) habe ich als Islamwissenschaftsstudent und als Liebhaber von Manuskripten aufgenommen.


Noch knapp zehn Kilometer lagen vor mir, weswegen ich zügig Steinau hinter mir ließ. Jetzt näherte ich mich Storchenland. Seit ich zu Beginn meines Jakobswegs auf Höhe Luckenwalde bei Berlin im letzten Jahr zum ersten Mal einen Storch in freier Wildbahn gesehen hatte ist meine Freude über den Anblick nicht abgeschwächt. Gute Reise in den Süden, ihr prächtigen Gesellen!

So richtig nahe heran bin ich bisher nie gekommen, aber mit der herrlichen Landschaft und dem imposanten Wolkendrama ist es auch schön.



Paul Hey rückt in dem alten Liederbuch Sang und Klang fürs Kinderherz den Störchen etwas näher:



Am Kinzig-Stausee

Die nächste Attraktion auf dem Weg würde der Stausee sein. An einem heißen Tag wie dieser es war wäre das kühle Lüftchen hoch willkommen. Wie entsetzt war ich aber, als sich mir ein zu einem winzigen Tümpel zusammengeschrumpfter See zeigte. Obendrein war der Weg die ganze Strecke entlang breit ausgebaut, bar jeglichen schattenspendenden Baumes und geteert mit Autoparkplätzen und chique angelegten Lehr-Spielplätzen. Mit jedem Schritt wurde ich deprimierter.

Ein echter Jakobspilger

Dort sah ich eine Gestalt mir entgegenkommen, ein wahrer Jakobspilger, Franzose, wie sich herausstellte, mit einem mit Jakobsmuschel gekrönten Wanderstecken, um den ein Kranz von gefundenen Federn gebunden war. Ich wurde stark an den Mübarek von Karl May erinnert. Das ist aber nicht bös gemeint. Mich verrieten Rucksack und Wanderschuhe, und er duzte gleich fröhlich drauf los. Einerseits gefiel mir dieses Original, andererseits schmerzten die Füße und bedrückte mich der Zustand des Sees. Ein netter kleiner Plausch kam aber zustande. Er wies mich auf eine Stempelstation hin, die er vor Frankfurt selbst eingerichtet hatte und sprühte nur so von Pilgerlust. Ich wünschte ihm alles Gute für seinen Weg und er grüßte zurück mit einem feurigen buen camino!

Entwarnung

Kurz darauf kam ich mit anderen Besuchern ins Gespräch und erfuhr, dass der Stausee geplant und ordentlich geleert worden war, um Arbeiten an der Staumauer durchführen zu können. Kein Fisch war dabei zu Schaden gekommen. Das war mir ein großer Trost, aber der Schreck steckt doch in den Gliedern.


Von Ahl her lief ich über die Hanauer Landstrasse geradewegs zu meiner Herberge in der Spessartstraße zum Hotel Spessarttor. Dort gönnte ich mir ein köstliches Abendessen: Mattjes mit Reibekuchen.


Zur guten Nacht ein süßes Betthupferl auf dem Kissen

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