Entlang der alten Römerstraße

Auf Jakobswegen (36)

Dritter Tag. Von Simmern bis Laufersweiler

Etappe 5 – Von Bingen nach Trier
August 2022 / Eine Bildergeschichte


Schnurgerade zieht sich der alte Römerweg entlang des Soonwald Naturparks und weiter auf Höhe des heutigen Etappenziels Laufersweiler. Es gab keinerlei Anlass, fehlzugehen, weswegen ich auf den gut 20 Kilometern entspannt unterwegs war und mich zu zahlreichen Fotos hinreissen ließ.


Informationstafel Karte: Naturpark Soonwald-Nahe

Vom Hotel im Zentrum von Simmern war es nicht weit zur Ortsgrenze; und in der Früh wanderte ich zur Stadt hinaus, vorbei am alten jüdischen Friedhof. Das Hunsrück-Museum, Simmern informiert dazu in seinem Stadtrundgang.



Den Totempfahl dokumentiere ich als ehemaliger Bewohner im Land der Nootka und Haida. Künstlerisch kann er da nicht ganz mithalten, wenn man beispielsweise an den Thunderbird Park in Victoria, BC denkt, aber immerhin.


Ich konnte keine Informationen zum Künstler finden und was der Totempfahl bedeuten soll. Als Bild taucht er in Dateien, im Zusammenhang mit dem nahegelegenen Pfadfinderdenkmal (Bild Nummer 8), auf und mit dem Schinderhannespfad, (unten, bei den weiteren Eindrücken), der auch hier entlangführt.


Weiter auf dem Jakobsweg, im Simmertal.




Menschen waren um diese frühe Stunde nicht unterwegs, aber die Tiere frühstückten schon, wie Schafe und Rind, oder stiegen in den Himmel, wie die Bussarde.


___
Weiter ging es, durch Ohlweiler und vorbei an Bäumen und Feldern auf das Dörfchen Schönborn zu, das am Horizont über den Hügel lugt.


Ob es in Ohlweiler war oder in Schönborn kann ich nicht mehr rekonstruieren, aber wieder einmal beeindruckte mich die Freude der Erbauer, bei ihrer Schiefer-Beschindelung Zierde einzufügen. (Fell, das später auf dem Jakobsweg liegt, hat ein Besucherbergwerk, in dem die Geschichte des Schieferabbaus und seiner Verarbeitung gezeigt wird).


Zwischen Schönborn und Rödern




… und immer weiter dem Waldpfad entlang und über den Grundbach …




Der Ausonius- beziehungsweise Jakobsweg ist hervorragend ausgeschildert; und auf der Karte ist gut zu sehen, bis wohin ich gewandert war. Es war noch kurz vor Neune.



Wassertretbecken bei Rödern

Das war allerdings verlockend; aber ich ließ Wanderschuhe und -Socken an and zog weiter.


„Mach’s doch wie der stolze Reiher / an Teichen, Tümpeln und den Weihern. / Er schreitet durch das kühle Naß; / so macht das Wassertreten Spaß. / Das dient der inneren Erbauung / und fördert Kreislauf und Verdauung. / Bei Kältereiz sollst Du hingegen / den Gang beenden, Dich bewegen. Besucher mit Blasen- und Nierenleiden / mögen die Anwendung tunlichst meiden.“


Staatsforst Simmern. Karte Naturpark Soonwald

Kirchberg am Horizont
Am Hunsrücker Jakobsweg

Strauch mit roten Beeren

(vermutlich Vibumum opulus, oder: Gemeiner Schneeball)


Diesmal wird über Kirchberg, mit seinem prominenten gelben Wasserturm, informiert


In Kirchberg


Ausonius Säule

„Am Ortsausgang von Kirchberg geht es vorbei an einem rekonstruiertem Leugenstein. (Eine Leuge ist ein altes gallisches Längenmass, das 202 n. Chr. offiziell in den nördlichen Provinzen eingeführt wurde. Es entspricht einer Länge von 2,22 km).“

Quelle: Wildganz. „Ausoniusweg Etappe 3“



Etwas in Altherren-Manier beginnt diese Tafel über einen Frauenraub zur Römerzeit, setzt sich dann aber durchaus kritisch mit dem Thema auseinander.


Kleiner Ausonius-Exkurs, auf historischem Römerweg

Unde iter ingrediens nemorosa per avia solum
et nulla humani spectans vestigia cultus [...] (Aus.Mos. 5, 6)
Eine Auswahl an Übersetzungen
Einsamen Weg betrat ich hier durch düstere Forsten
Nicht die mindeste Spur gewährend menschlichen Anbau’s
Ludwig Troß (1795-1864)
Thence onward I began a lonely journey through pathless forest,
nor did my eyes rest on any trace of human inhabitants.
Hugh Evelyn-White (1884-1924)
Drauf den einsamen Weg durch waldige Oede betretend,
Nirgend umher auch Spuren von menschlichem Fleiße gewahrend.
Eduard Böcking (1802-1870)
Dorther betrat ich auf einsamem Steg eine waldige Wildnis.
Nirgends gewahrte ich Spuren von menschlichem Schaffen
Bertold K. Weis (* 1907)
Dort beginne ich meine einsame Reise durch unwegsames Waldgebiet,
und ohne Spuren menschlicher Besiedlung zu erblicken
Joachim Gruber (*1937)

bei Liederbach
frühgeschichtliche Wagenspur
Grenzstein? Meilenstein?

Der Kyrbach

Kyr ist ein keltisches Wort, das Wasser bedeutet.[...] Auch der Ort Kirn leitet seinen Namen von dem Bach ab, genau so wie einige Wüstungen am Oberlauf in der Gemarkung Kappel: Kyr (Hof an der Kyrbachquelle) und Kirweiler (zur Gemarkung Dill). Auch die Stadt Kirchberg, die in alten Urkunden bis zum 16. Jh. noch Kirberg, Kyrperch und ähnlich lautet, hat wohl ihren Namen vom Bach.[...] / Quelle: Wikipedia

Lichtung

Zwischen Liederbach und Dill



Informationstafelim Staatsforst zu den befestigten Wachstationen am Römerweg


Information zum Limes

Um Leuten Arbeit zu verschaffen, trug man ihnen Mitte der Achtziger Jahre auf, diesen Limes-Turm nach historischem Vorbild nachzubauen. Ein lobenswertes Unterfangen.

ein Kommentar:

T.: [...] with the picnic benches, one receives the likely false impression that the Romans had a very leisurly time invading the territory.

(Mit den Rastbänken erhält man den etwas falschen Eindruck, dass die Römer eine reichlich mußevolle Zeit beim Erobern hatten)



Am Grundbach / Sohrbach / Dillerbach



Dill. Alte Burgruine

Einige Sehenswürdigkeiten

Bei der Augusthütte



Am Ende der Tagesstrecke, zwischen Niederweiler und Laufersweile, führte der Römerweg aus dem Wald hinaus auf die offenen Felder, mit einem hölzernen Steg über der Hirschbach.


Auf die Wiese und über den Bach hinüber geht es am folgenden Tag dann weiter in Richtung Hinzerath. Beide Unterkünfte hatte ich schon gesichert. Die Adressen hatte ich vorsichtshalber mit Stift auf Papier gesichert, falls der Akku leer sein würde.


Die evangelische Pfarrkirche und St. Laurentius im Hintergrund

Im Hotel und Restaurant Die Schatulle fühlte ich mich gleich willkommen. Ich möchte gerne etwas die Werbetrommel rühren. Es hatte dort vor kurzer Zeit einen Küchenbrand gegeben, aber alles war inzwischen wieder renoviert, zum Glück, und es gab warme Küche. Ich entledigte mich Rucksack und Wanderschuh, und fand mich frischgemacht zum Abendessen im Gastraum ein. (Draußen war noch Wespenterritorium). Anwesend war eine kleine freundliche Gesellschaft, gemischt aus Stammgästen und Zugereisten. Ich ließ mir Putengeschnetzeltes nebst einem Kirner Pils aus lokaler Privatbrauerei munden und rundete das Ganze mit einem Glas Wein ab. Es war ein wohltuender Ausklang in Gesellschaft an diesem besonderen Tag, an dem ich mich nicht einmal verlaufen hatte – unterwegs auf einsamen, schnurgeradem Römerweg.


Abend in Laufersweiler – mit Hühnernachbarn (erstes Bild, links unten)



Na denn: Gute Nacht!


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