Das Dach der Welt

Auf Jakobswegen (39)

Sechster Tag. Von Gräfendhron bis Fell

Etappe 5 – Von Bingen nach Trier
August 2022 / Eine Bildergeschichte


Auf der Römerstraße


Noch einmal verlief der Weg hoch über den Hunsrück über Felder und durch Wälder, versetzt mit den Tälern von Dhron, Kleiner Dhron und Feller Bach. Ein Teil des Weges verlief auch wieder auf der alten Römerstraße.

Gesättigt von einem gemütlichen Frühstück im spärlich bevölkerten Frühstücksraum und nebst Proviant brach ich auf und kam über die Dhronbrücke zurück auf den Jakobsweg.


Westlich zur Stadt ging’s hinaus, und immer hinauf mit guter Steigung.



Blick zurück in Richtung Gräfendhron
… und weit über sommerliche Hügel

Der Jakobsweg streift nur kaum die Örtchen Berglicht und Breit, verläuft ansonsten in der Einsamkeit. Wie ich immer wieder unterwegs im Bild festhielt, blieb ich aber auf dem rechten Weg. Später, im Waldstück zwischen Kleiner Dhron und Feller Bach, da kam es dann wieder zu Irrungen und Wirrungen.

Hier hoch oben traf ich auf eine kleine Ranch mit ihren rotbunten Rindern. Dazu fiel mir das Lied aus der Mundorgel ein:

… Der Weg war weit und die Herde groß. / Ich kann euch sagen, Boys, es war so / ein harter Trail bis nach Mexiko.



Und da war das Dach der Welt!



Wer wandert, weiss: es geht immer weiter. Ich näherte mich der alten Römerstraße und wurde von Blümchen am Wegrain begrüßt.


Campanula rotundifolia – Die rundblättrige Glockenblume



Auf der Römerstraße

Im Wald regt sich Leben. Zarte Nadel- und Laubbäume nehmen ihren Anfang. Hoffentlich wachsen sie viele Jahre lang!


Weiter auf der Römerstraße, aus den Wald hinaus


Zwischen Talling und Breit strecken sich hoch wieder weite Felder gegen den Horizont. Auf dem einen Foto hab ich ein Flugobjekt erwischt, einen dicken Brummer.



Convolvulus arvensis

Hier wächst die Ackerwinde


immer noch richtig, auf Ausonius- und Jakobsweg

Blick auf Breit und Naurath, wenn ich mich nicht täusche.

Am Horizont drehen sich die Windräder auf der Mehringer Höhe.


Information mitten in der Landschaft, auf der Höhe von Breit. Danach tauchte der Weg wieder in den Wald.




Überschreitung der kleinen Dhron


Bald querte ich südlich von Büdlicherbrück die Landstraße 150, und von da ab ging es steil hinauf und in den Wald hinein.


Über Stufen weiter auf dem Jakobsweg

Dieser waldige Höhenrücken zieht sich hin zwischen Mordbach im Norden und Schastebach im Süden, und der Jakobsweg wird von der A 1 gekreuzt. Ich hoffte, dass es eher eine Brücke hinüber als ein Tunnel unten durch wäre.

Noch ging es eine Weile höher und höher durch den Wald. Glücklich auf rechtem Weg hielt ich die Wegzeichen fest.



Und es ist allerdings eine Brücke, die hoch über die Autobahn führt und weite Blicke nach Norden und Süden öffnet.


Wie das Höhenprofil in Carola Oberbilligs Wanderführer zeigt, hatte ich nun den Zenith überschritten.

… und die Kompass Karte


Vom Schiefer


Auf den Schultern des Feller Bachs wurde Schiefer abgebaut, und Schiefer prägt das Bild der Orte. In Fell lädt das Museum und Besucherbergwerk ein, Geologie und Kunsthandwerk und alles um den Schiefer herum zu erkunden. (markierter Ausschnitt der Kompass Karte)


Häuser mit Schindeln aus Schiefer, oftmals kunstvoll mit Zierfriesen versehen, habe ich unterwegs immerzu gesehen. Schiefer ist mir auch von zu Hause her vertraut. Eine Weile verfertigte mein Vater Scheiben als Kunstgewerbe. Zwei davon habe ich geerbt, eine ist leider bei unserem bewegten Leben lädiert worden.


Glasmalerei auf Schiefer (Jahr unbekannt) von Heribert Reul (1911 – 2008)


Füllhorn
Wassermann

Meine Mutter hatte in ihrer Buchhandlung unter der Theke (– neben den Spickausgaben von Bangemann, genannt „Schulfreund“, für Schummeln bei Latein –) noch ein Kästchen mit Griffeln aus Schiefer, umwickelt mit gemusterten Papieren. Vor langer Zeit, als ich in die Schule kam, arbeiteten wir noch mit Schiefertafel, Griffel und Schwämmchen, die dann aber von der Plastiktafel Scolaflex und abwaschbaren Buntstiften abgelöst wurden.



Nun begann der Abstieg, und analog nahm die Deutlichkeit der Wegmarkierungen ab.



Konsterniert kommunizierte ich im Bild die Stelle, bei der ich einen langen Irrweg auf die Bergschulter in Richtung Lorscheid eingeschlagen hatte.


Das Jakobswegzeichen sah man hinterher auf der Rückseite, wenn man sich richtig entschieden hatte.


Aber es war ein sonniger Tag, und es war eine Freude, durch den Wald zu wandern, selbst auf Umwegen. Als nächstes Abenteuer, nach weiterem Umherirren im Gehölz tiefer unten in der Schlucht, erwarteten den Wanderer diese abenteuerlichen Fußpfade:



Ich kommentierte nach Hause, die Pfade seien nicht sehr ausgetreten, weil die Pilger noch, auf der Suche nach ihnen, im bergigen Wald herumstolpern würden – so wie ich. Ich hob die Arme hoch über den Kopf, um Brennessel und Dornen zu meiden. Immerhin näherte ich mich der Talsohle, immerzu nach Markierungen spähend.


Ja, richtig. Hier geht es weiter auf dem Ausoniusweg.


Am Berghang


Wo Beeresbach und Tickenbach auf den Feller Bach treffen, geht es hinunter zum Bachufer, und ab da ist der Weg einfach.

Ich traf etwas grantelig da unten ein — nach all den wilden Eskapaden, aber vermutlich auch, weil es höchste Zeit für eine Rast war. So setzte ich meine Hoffnung auf eine nette Bank am Ufer des Baches. Die gab es auch gleich, aber es kampierten dort auf der Wiese bei loderndem Lagerfeuer eine Gruppe Jugendlicher in schwarz-weißer Kluft mit irgendwelchem Deutschrock zur Untermalung und einer großen Deutschlandfahne als Kulisse. Auf Deutschpatrioten wollte ich lieber verzichten.

Bald gab es eine weitere Bank. Hier kramte ich mein Proviantbrötchen hervor, dass sich als zwar sehr gesund mit Körnern, aber als äußerst dröge herausstellte, und ich hatte gut daran zu kauen und zu schlucken in der nächsten Viertelstunde; denn mit dem letzten Bisschen Wasser wollte ich sparsam sein. Eine Wespe leistete mir Gesellschaft; aber schließlich trat Sättigung ein, und der Anblick der prächtigen Allee vor mir munterte mich zusätzlich auf.

PS. "dröge": 
 
drög dröge, trocken, niederd. Brem. wörterb. 1, 252. Frommann Mundarten 2, 43, 24. 239. 210, 6. in Leipzig drêge. brachte zum willkommen ein brodt und einen drögen lachs Olearius Reisebeschreibung 1, 4. das korn dröge oder trucken in die scheuern bringen 3, 2. dreug siccus Schottel 1304. im niederd. ist een drög minsk ein trockener ernsthafter mensch Brem. wb. 5, 355. s. 1DWb  dreuge, 1DWb  treuge. [Quelle: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm / Wörterbuchnetz]



Nun grüßte wieder die Weinberge


Der Ortseingang zu Fell hier vom Osten her ist nicht unbedingt spektakulär. Ich wählte auch einen Weg weiter oben, um mir einen Eindruck zu verschaffen und stuzte erst einmal über dieses Modell von Wiederverwertung:


Re-Use

Fell

So kam ich vergnügt bei der Herberge an, bekam ein Zimmer mit Weinberg-Blick. Die Pension ist in einem stattlichen Haus untergebracht, was an die Weingüter erinnert, die es umrahmen. Ich legte Rucksack und Wanderstiefel ab und zog erfrischt noch einmal eine Runde. Ein paar Leute saßen versteckt im Grün hinterm Haus oder auf der Bank vorm Haus und erfreuten sich ihres Daseins. Einige gingen noch Beschäftigungen nach. Mir gefiel’s. Es führen auch hier langgestreckte Straßen durch den Ort, aber es gibt Gässchen und Stichstraßen, es geht auf und ab.

Meine Pension und ein weiterer Gasthaus hatten die Küche geschlossen, aber es gab einen gepflegten Imbiss, wo ich mit Freuden ein gemütliches Falafel-Döner Abendessen mit reichlich Salat und Ayran zu mir nahm. Am anderen Tisch saß die Ortsjugend bei Cola und Pommes.

So ging der Tag gut zu Ende. Das Funkloch wurde mit dem Hotel-WLAN ausgetrixt, und der Abend klang aus, auf der schönen Terasse mit Ausblick über Tal und Hänge.


Zur Information.


Feller Bach in Fell und Sankt Lukas an der Häuserwand




Feierabend

(Als man mir das Zimmer zuwies, war es noch Nachmittag)

2 Kommentare zu „Das Dach der Welt

Gib deinen ab

Kommentar willkommen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: