Eamus Augusta Treverorum!

Auf Jakobswegen (40)

Siebter Tag. Von Fell bis Trier

Etappe 5 – Von Bingen nach Trier
August 2022 / Eine Bildergeschichte


Fell. Morgendämmern, auf der Terrasse, vor dem Frühstück

Die letzte Strecke bis zum Etappenziel Trier war die kürzeste; aber am selben Tag wollte ich auch wieder zurück in Berlin sein.

Das Gute am Frühaufstehen sind die herrlichen Morgenhimmel. Mit Muße verzehrte ich das Frühstück und war gewappnet für den letzten steilen Anstieg, der gleich hinter Fell begann.

Vorher stimmte ich mich noch auf den historischen Aspekt meiner Wanderschaft ein, wozu eine Informationstafel am westlichen Ortsausgang von Fell einlud.


Silvanus und Diana, und was von den Göttern übrigblieb …


Kompass-Karte (Ausschnitt)

Auf dem Goldberg


Bei der Naturschutzverwaltung von Rheinland Pfalz kann man eine schöne hochaufgelöste Karte aufrufen, auf der der Goldberg von der Kompass-Karte auch verzeichnet ist, den man sonst nur schwer im Internet findet.

Im Foto ist die Fellerbachtal-Brücke bei Fastrau zu erkennen. Hier kreuzt die A1 die L150, bevor sie bei Longuich und Schweich über die Mosel setzt und immer hinauf bis Hamburg und Lübeck und Heiligenhafen an der Ostsee führt – für motorisierte Reisende jedenfalls.



In den Weinbergen, auf dem Weg nach Mertesdorf

Untergehölz auf dem Wege


Waldpfad

Auf der Höhe

Noch einmal Goldberg

Hier war ich fast hinüber; und beim Abstieg nähert man sich auf dem Jakobsweg der Zivilisation in der Form von Müllhalden, Autostraßen und Unterführungen.



Gleich darauf, am Paulinskopf, geht es aber in einem freundlichen Bogen nördlich um Mertesdorf wieder auf die Felder.


am Paulinskopf


Zeit für eine kleine Rast auf dem Hochsitz. Der war ganz schön wackelig; aber eigentlich hatte ich da ja auch nichts verloren.


am Stempelsberg


Eitelsbach


Auf dem Weg nach Eitelsbach führte ich noch ein schönes Schwätzchen über den Gartenzaun mit einem alten Eitelsbacher, der dort ein Stückchen Erde sein Eigen nennt und fleißig begärtnert. Er war traurig über die Jahre der Trockenheit, die auch seinen Zöglingen zusetzen. Trotzdem gedieh einiges unter seiner Pflege, weswegen ich Halt gemacht hatte und mich am Anblick erfreute. Dann hatte ich bald das Dorf erreicht, was sich hier und da mit Wein und Rosen schmückt.



Nahe der Stelle, wo der Fluß in die Mosel mündet, führt diese Brücke über die Ruwer.


Am Fuße des Grüneberg entlang ging es zügig auf Trier zu. Bei den Bahnanlagen wählte ich wieder mal den falschen Weg; aber das Schild war auch arg zerbeult und mehrdeutig. Jedenfalls geriet ich auf die lange Metternichstraße, die mitten durchs Industriegebiet geht, konnte aber über die Gleisanlagen hinüber immer den Allenberg erblicken.

Auf der Strecke kam ich am Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und am Gelände vorbei, wo gegenüber vom Recyclinghof Asylbewerber hinter Eisenzäunen und zwischen tristen Mietskasernen ihr behütetes Dasein leben.

Auf der Metternichstraße geht auch die Buslinie zur Innenstadt entlang. Ich spürte eine gewisse Versuchung und fragte einen jungen Mann, der an der Haltestelle wartete, wann denn der nächste Bus käme. Er kramte einen ausgedruckten Fahrplan hervor; denn er sprach kein Deutsch. Als echter Berliner, der doch lieber läuft, statt 15 Minuten auf den Bus zu warten, bedankte ich mich freundlich und setzte den Weg tapfer zu Fuß fort.

Am Ende der Metternichstraße traf ich auf den Jakobsweg, nur um bei nächster Gelegenheit wieder falsch abzubiegen. Über die Thaddäusstraße entdeckte ich aber einen liebenswerten Trierer Bezirk.


Trier, im Viertel bei St. Paulin


Paulinstraße Trier, mit Blick auf die Porta Nigra

Am Ziel


Und so erreichte ich die schöne alte Stadt Trier, mit der berühmten Porta Nigra, von der ich schon einmal vor vielen Jahren, Ende der Siebziger, beeindruckt worden war. Viel Erinnerungen bleiben sonst nicht bei dieser Visite mit einer Freundin in Jugendjahren – oder bei ihr – studierte sie dort? Wir waren irgendwie unterwegs bei fremden Leuten, und sie spielten dort Zuhause Pong von Atari auf ihrem Computer; soviel weiß ich noch.

Jetzt habe ich neue Erinnerungen; aber ich muss gestehen, dass ich nach wie vor ein banausiger Jakobspilger und Bidungsreisender bin. Dazu passt auch, dass ich nur hier und da an die Stempel im Pilgerpass gedacht habe. Aber der Weg ist ja noch weit …


Pilgerpass mit Lücken


Ich lief von der Porta Nigra die Theodor-Heuss Allee am Boulevard hinunter geradewegs auf den Hauptbahnhof zu, um noch den Mittagszug zu erwischen.


Nebensächliches zum Ausklang


Die Fahrradwaschanlage war in vollem Gange.


Sowas hatte ich auch noch nicht gesehen, und es war gerade Zeit für ein Foto.

Trotzdem es in den letzten Augusttagen des Jahres 2022 noch die denkwürdige Zeit des 9€-Tickets war entschied ich mich, um fünfmaliges Umsteigen und die übliche Unsicherheit der Fortbewegung zu vermeiden, für den teuren, teuren ICE-Fahrschein.

Zwischenstopp in Mannheim.

Der Bahnhofsvorplatz war eine riesige Baustelle. In der drückenden Hitze suchte ich den Irischen Pub auf, bestellte einen Guiness zum Süppchen und lauschte beim Verzehr dem jungen Bob Dylan, wie er sich wie ein rollender Stein fühlt.

How does it feel, how does it feel?
To be on your own, with no direction home
Like a complete unknown, like a rolling stone

Da ging es mir, Gott sei Dank!, ja doch um einiges besser.


Ich mag, wie die alten Irish-Pound-Scheine hinterm Tresen aufgeleint sind.

Noch um einige Zeit früher als nötig für die Abfahrt kam ich am Gleis an und konnte geradewegs in den Zug steigen, den ich, wäre ich pünktlich erschienen, verpasst hätte. Selbst ohne 9€-Gunst ging es beim ICE auch nicht so glatt. Aber ich kam voran…


… vorbei an Frankfurt …


… und immer weiter Berlin entgegen. Zwischendurch fuhr der ICE wie ein Lokalzug; mal musste auf langsame Güterzüge Rücksicht genommen werden, mal war die Strecke durch einen Bummelzug blockiert. Der Zugführer verkündete, dass heute Hildesheim und Wolfsburg einmal übersprungen würden. So holte er die Zeit wieder auf, und die Fahrgäste, die eigentlich dorthin reisten oder dort zusteigen wollten, mussten eben zusehen, wie sie damit klar kämen. Ich kam wie erhofft noch am späten Abend an und war vor Mitternacht zu Hause.


Ausblick


Nach all den Irrwegen und dem Zittern, ob es mit der Unterkunft klappt war ich am Ende dieses deutschen Teils des Jakobwegs, von Berlin bis Trier, etwas verzagt; denn zum nächsten Abschnitt bis Le Puy würde der Weg ja durch Frankreich gehen, und ich hatte zwar Französisch in der Schule, aber das ist lange her.


Von Trier bis Le-Puy-en-Velay

Karten-Ausschnitt aus der Pilgerkarte Jakobswege von GeoMap

Kartenausschnitt: Von Trier bis Toul


Jetzt bin ich wieder eine Weile zurück in Berlin, und die Wanderlust wächst wieder. Die nächste Etappe wird von Trier über Metz, und weiter über die Route des Allemands (RA), bis Toul gehen.


In Toul trennen sich die Wege, nach Vézelay oder nach Le-Puy-en-Velay, wohin ich mich zu gehen entschieden habe. Aber Kapitel 18 (Trier) bis 24 (Toul) kann ich aus diesem Wanderführer von Rother gebrauchen.


Doch, doch: wenn alles gut geht, werde ich nach Abschluss des Sommersemesters wieder loswandern – wer weiß, vielleicht sogar schon nach dem Wintersemester, im Frühling, Ende März …


2 Kommentare zu „Eamus Augusta Treverorum!

Gib deinen ab

Kommentar willkommen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: