Briefe an Cervantes und an den Vater, und die Sperlingsgasse an der Spree

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Kröner Neuerscheinungen

Wußten Sie, dass die Sperlingsgasse von Wilhelm Raabe die Spreegasse im alten Berlin, in Cölln, war? Der Luisenstädtische Bildungsverein hat dazu einen feinen Artikel von Herbert Mayer ins Netz gestellt: Ein Buch als Namensgeber.

Erlesenes Lesen

Die Chronik der Sperlingsgasse ist eines der drei neuen Bände vom Kröner Verlag, die frisch eingetroffen sind, und es gehört, zusammen mit Franz Kafka; Brief an denVater / Das Urteil, in die Reihe Erlesenes Lesen, alle in handlichem Format, in feines Leinen gebunden, mit Lesebändchen und aufgeklebten Schildchen: „Mit einer liebevoll edierten Leinenausgabe möch­ten wir der Schönheit [dieser Texte] Rechnung tragen […] “

Und in der Taschenbuchreihe erschienen fiktive Briefe an den vor beinahe 400 Jahren gestorbenen Edelmann Cervantes, von Spanienkenner Aparicio Guillermo: Windmühlen sind keine Giganten.

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Kröner im Programm

Drei Kostproben

raabe_skizzeRaabe schreibt:

Ein Buch guckte dem Doktor hinten aus der Rocktasche, und der Lehrer zog’s ihm heraus. Es war – Reineke de Voß, des Doktors ewiger Begleiter auf allen seinen Fahrten, den er fast auswendig wußte. Bei der Berührung des Lehrers sah er sich auch sogleich um und begann:

»De quad deyt, de schuwet gern dat licht:
Also dede ok Reinke de bösewicht.
He hadde in de stad so vele missdan,
Dat he dar nicht dorfte kamen noch gan.
He schuwede seer des Konniges hoff
Darin he hadde seer kranken loff!« –

Kafka schreibt:

Ich war ein ängstliches Kind; trotzdem war ich gewiß auch störrisch, wie Kinder sind; gewiß verwöhnte mich die Mutter auch, aber ich kann nicht glauben, daß ich besonders schwer lenkbar war, ich kann nicht glauben, daß ein freundliches Wort, ein stilles Bei-der-Hand-Nehmen, ein guter Blick mir nicht alles hätten abfordern können, was man wollte. Nun bist Du ja im Grunde ein gütiger und weicher Mensch (das Folgende wird dem nicht widersprechen, ich rede ja nur von der Erscheinung, in der Du auf das Kind wirktest), aber nicht jedes Kind hat die Ausdauer und Unerschrockenheit, so lange zu suchen, bis es zu der Güte kommt.

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Sancho Panza trifft Ricote
Ricardo Balaca (1880-1883)
Biblioteca de la Facultad de Derecho y Ciencias del Trabajo Universidad de Sevilla

Aus dem Buch von Aparicio:

»Was, lieber Don Miguel, wollten Sie mit dem Lob der Gewissensfreiheit sagen? Waren Sie insgeheim ein Anhänger der Reformation? Das ist vielleicht zu viel gesagt. Dass Sie aber mindestens Sympathisant der Religionsfreiheit waren, scheint mir durch die Tatsache belegt, dass der Morisco Ricote bei Augsburg seine ideale Heimat findet, denn Sie wussten sehr wohl,  dass gerade in Augsburg am 25. September 1555 der Religionsfriede unterzeichnet wurde nach dem Prinzip: cuius regio, eius religio

PS:

siehe auch: F.A.Z., Samstag den 08.08.2015 Feuilleton 14 : Der Roman der Bootsflüchtlinge*

Vor vierhundert Jahren schrieb ein Spanier das Buch unserer Gegenwart: Eine Wieder- begegnung mit Miguel de Cervantes’ letztem Werk, dem in vielerlei Hinsicht erstaunlich modernen „Persiles“.

  • in der städtischen Bibliothek nachlesen, oder bei der FAZ den Artikel kaufen – Es lebe die freie Presse!
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